Tennisarm und Golferellenbogen: Ursachen, Belastung und was die Studienlage hergibt

Ein redaktioneller Text ohne Produktempfehlung. Warum der Name Epicondylitis in die Irre führt, was Belastung und Ausrüstung damit zu tun haben, was die Studienlage zur Belastungssteuerung sagt und warum wir als Shop hier ausdrücklich nichts verkaufen.

Hinweis vorab: Dieser Text ist redaktionell und enthält bewusst keine Produktempfehlung und keine Produktlinks. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wer Beschwerden hat, gehört in eine ärztliche oder physiotherapeutische Praxis, nicht in einen Onlineshop.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der medizinische Name Epicondylitis endet auf „itis“ und suggeriert eine Entzündung. In Gewebeproben findet sich meist keine. Was man findet, ist ein Umbau des Sehnenansatzes.
  • Damit läuft die gesamte Logik „entzündungshemmend einnehmen“ bei diesem Beschwerdebild ins Leere.
  • Auslöser ist fast immer ein Belastungssprung: Saisonstart, neuer Schläger, mehr Trainingsstunden, Renovierung, Gartenarbeit.
  • Was in der Forschung am besten dasteht, ist schrittweise dosierte Belastung unter Anleitung. Nicht Schonung, nicht Stillstand.
  • Für Nahrungsergänzung gibt es bei diesem Beschwerdebild weder eine zugelassene Aussage noch eine belastbare Datenlage. Wir verkaufen solche Produkte und sagen es trotzdem.

Was Tennisarm und Golferellenbogen unterscheidet

Beides betrifft den Sehnenansatz am Ellenbogen, nur auf verschiedenen Seiten.

  • Tennisarm, medizinisch Epicondylitis lateralis: die Außenseite des Ellenbogens. Betroffen ist der Ansatz der Muskeln, die Hand und Finger strecken. Druck auf den Knochenvorsprung außen tut weh, ebenso das Anheben einer vollen Tasse mit gestrecktem Arm.
  • Golferellenbogen, Epicondylitis medialis: die Innenseite. Betroffen ist der Ansatz der Beugemuskeln. Auffällig wird er beim festen Zugreifen und beim Drehen, etwa mit einem Schraubendreher.

Die Namen sind irreführend. Die Mehrzahl der Betroffenen hat weder Tennis noch Golf gespielt. Häufige Auslöser sind Handwerksarbeit, Gartenarbeit, Umzüge und langes Arbeiten mit Maus und Tastatur.

Warum „Entzündung“ der falsche Begriff ist

Seit den Gewebeuntersuchungen der 1990er Jahre ist bekannt, dass sich in chronisch veränderten Sehnenansätzen am Ellenbogen typischerweise keine klassischen Entzündungszellen finden. Stattdessen zeigt sich ein ungeordneter Umbau des Kollagengewebes mit Einsprossung feiner Gefäße. In der Fachsprache heißt das Tendinose, nicht Tendinitis.

Das ist kein akademisches Detail, sondern der Grund, warum viele naheliegende Ansätze enttäuschen. Wenn keine Entzündung vorliegt, ist etwas Entzündungshemmendes auch nicht die Antwort. Und wenn das Gewebe umgebaut werden muss, braucht es einen Reiz, der den Umbau in die richtige Richtung lenkt. Reize entstehen durch Belastung, nicht durch Ruhe.

Die häufigsten Auslöser

In fast allen Fällen steht am Anfang ein Belastungssprung. Der Körper verträgt viel, aber nicht viel auf einmal.

  • Saisonstart. Nach der Winterpause in der ersten Woche gleich vier Mal auf den Platz.
  • Neues Material. Ein steiferer Schläger, eine härtere Besaitung, ein zu kleiner oder zu großer Griff. Jede dieser Änderungen verändert, wie viel Stoß im Arm ankommt.
  • Technik. Beim Tennis vor allem eine zu spät getroffene Rückhand, bei der der Ball auf ein nachgebendes Handgelenk trifft. Beim Golf der Schlag, der zuerst den Boden trifft.
  • Zu fester Griff. Der häufigste Fehler unter Druck. Je fester der Griff, desto mehr Dauerspannung liegt auf genau den Sehnen, um die es geht.
  • Alles außerhalb des Sports. Ein Wochenende Terrasse schleifen kann genauso der Auslöser sein wie ein Turnier.

Was die Studienlage zur Belastung sagt

Der am besten untersuchte Ansatz ist eine schrittweise gesteigerte, dosierte Belastung der betroffenen Sehne, in der Regel begleitet durch Physiotherapie. Die Grundgedanken:

  1. Relative Ruhe statt vollständiger Schonung. Was wehtut, wird reduziert, nicht alles. Vollständige Ruhigstellung schwächt die Sehne zusätzlich.
  2. Langsam, kontrolliert, in kleinen Schritten. Die Steigerung erfolgt über Wochen, nicht über Tage.
  3. Ein gewisses Maß an Beschwerden während der Übung ist üblich, solange es sich danach nicht verschlechtert. Wie viel genau tolerierbar ist, gehört in die Hände von jemandem, der den Arm gesehen hat.
  4. Geduld. Der realistische Zeitraum liegt bei mehreren Monaten. Wer nach zwei Wochen aufgibt, hat den Verlauf nicht abgewartet, sondern unterbrochen.

Parallel lohnt der Blick auf die Ursache: Griffstärke messen lassen, Besaitung weicher wählen, Technik ansehen lassen, Trainingsumfang über Wochen statt über Tage steigern. Wer das auslösende Muster nicht ändert, holt sich dasselbe Problem im nächsten Frühjahr zurück.

Offen gesagt: Warum hier kein Nahrungsergänzungsmittel steht

Zu diesem Thema kursieren im Netz Empfehlungen für MSM, Kollagen, Magnesium, Kurkuma und Omega 3. Viele davon stehen auf Seiten von Shops, die genau diese Produkte verkaufen. Wir verkaufen sie auch. Trotzdem:

  • Für Kollagen, MSM, Glucosamin, Chondroitin und Hyaluronsäure gibt es in der Europäischen Union keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Kein Hersteller darf eine Wirkung behaupten.
  • Für Kurkuma und andere Pflanzenstoffe ruht die Bewertung seit Jahren, auch hier ist keine Aussage zulässig.
  • Aussagen zur Behandlung oder Linderung von Krankheiten sind für Lebensmittel generell verboten, unabhängig von der Studienlage.
  • Unabhängig vom Recht: Eine belastbare Evidenz, dass ein Nahrungsergänzungsmittel den Verlauf einer Sehnenveränderung am Ellenbogen beeinflusst, gibt es nicht.

Wir könnten an dieser Stelle eine Produktkachel platzieren. Das wäre gut für den Umsatz und schlecht für dich. Deshalb steht hier keine.

Wann in eine Praxis gehört, was hier steht

Immer. Und besonders dringend bei:

  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Hand oder Fingern
  • deutlichem Kraftverlust
  • Schmerzen in Ruhe oder nachts
  • Beschwerden, die sich nach sechs Wochen nicht bessern
  • Beschwerden nach einem Sturz oder einer ruckartigen Belastung

Häufige Fragen

Hilft MSM bei Tennisarm?

Nein. Für MSM gibt es in der Europäischen Union keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe, und es liegt keine belastbare Evidenz vor, dass MSM den Verlauf einer Sehnenveränderung am Ellenbogen beeinflusst. Die Begründung, MSM wirke entzündungshemmend, geht zusätzlich am Beschwerdebild vorbei, weil dort meist keine Entzündung vorliegt.

Hilft Magnesium bei Tennisarm?

Nein. Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei, das ist die einzige zugelassene Aussage in diesem Zusammenhang. Ein Einfluss auf einen Tennisarm ist damit nicht gemeint und nicht belegt.

Hilft Kollagen bei Tennisarm oder Golferellenbogen?

Für Kollagen gibt es in der Europäischen Union keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Es gibt Untersuchungen zu Kollagenpeptiden und Sehnengewebe, sie sind klein und uneinheitlich und erlauben keine Empfehlung für dieses Beschwerdebild.

Wie lange dauert ein Tennisarm?

Der realistische Zeitraum liegt bei mehreren Monaten. Entscheidend ist, die auslösende Belastung zu verändern und die Sehne schrittweise wieder zu belasten, statt den Arm vollständig zu schonen.

Was ist der Unterschied zwischen Tennisarm und Golferellenbogen?

Der Tennisarm betrifft den Sehnenansatz an der Außenseite des Ellenbogens, der Golferellenbogen den an der Innenseite. Ursachen und Vorgehen ähneln sich, betroffen sind nur unterschiedliche Muskelgruppen.


Über den Autor
Oliver Berfelz ist Ernährungsberater mit A-Lizenz, Foodcoach, ehemaliger Sternekoch, Produktentwickler und Gründer von VitaSpice. Er ist kein Arzt und keine medizinische Fachperson. Mehr über Oliver

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Er enthält keine Produktempfehlung.

Stand: September 2026.

Oliver Berfelz, Gründer VitaSpice
Oliver Berfelz Ernährungsberater A-Lizenz & Food Coach | Ehemaliger Sternekoch | Gründer VitaSpice

Oliver Berfelz verbindet jahrzehntelange Erfahrung in der Spitzengastronomie mit fundiertem Ernährungswissen. Als Gründer von VitaSpice entwickelt er hochwertige, laborgeprüfte Supplements, abgefüllt und laborgeprüft in Deutschland.

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